CrUX Ad Metrics: Chromes vier neue Werte zur Werbelast

Illustrierte Figur mit Lupe vor einem Monitor, auf dem eine Webseite mit vielen bunten Werbeflaechen um eine schmale Textspalte zu sehen ist; daneben ein Balkendiagramm
Das Wichtigste in Kürze:

Seit dem 15. September 2026 veröffentlicht Chrome im Chrome UX Report vier experimentelle Werte zu Anzeigen auf Websites. Ich habe sie für zehn deutsche Nachrichtenseiten abgerufen und gegen Googles Rohdaten geprüft.

  • Auf dem Handy lag die Werbe-Datenmenge pro Seitenbesuch zwischen 454 KB und 6.241 KB (75. Perzentil, Zeitraum 16.08. bis 12.09.2026). Sieben der zehn Sites lagen zwischen 1.900 und 2.900 KB.
  • Vergleichbar sind die Werte nur eingeschränkt. Die Anzahl der Anzeigen wird in Stufen gemeldet. CPU und Datenmenge wachsen mit der Dauer des Besuchs. Werbeskripte im Hauptdokument fehlen in der CPU-Zeit.
  • Erfasst werden nach der Methodik nur Sites mit einer ads.txt, die mindestens einen autorisierten Verkäufer nennt. seo-kreativ.de hat keine und bekommt deshalb keine Werte.
  • Die Metriken sind experimentell, Chrome kann sie weiterentwickeln. Laut Chrome gehören sie nicht zu den Core Web Vitals und haben keine Zielwerte. Eine Nutzung in der Google-Suche beschreiben Ankündigung und Doku nicht.

Am 19. September habe ich in CrUX Vis die Adresse von focus.de eingegeben und auf den neuen Reiter „Ad metrics“ geklickt. Für das Handy stand beim 75. Perzentil eine Werbe-Datenmenge von 6.241 KB pro Seitenbesuch. Direkt danach habe ich seo-kreativ.de eingegeben. In allen vier Diagrammen stand „unavailable“.

Der Unterschied erklärt viel über die neuen Metriken. Chrome erfasst damit nicht jede Form von Werbung. Erfasst werden Anzeigen, die nach der dokumentierten Methode als Werbung erkannt werden. Und das nur auf Sites, die über ihre ads.txt Verkäufer für ihre Werbeplätze angeben.

Mein News-Radar hatte die Meldung am 18. September mit zwei Fachmedien geführt. Einen Tag später stand sie in über einem Dutzend, darunter t3n und OnlineMarketing.de. In keinem der Beiträge, die ich gelesen habe, standen Werte für konkrete Sites. Deshalb habe ich die vier Metriken für zehn deutsche Nachrichtenseiten abgerufen, für Telefon und Desktop. Jeden Wert habe ich gegen die Rohdaten aus Googles Schnittstelle geprüft.

Hier stehen die Zahlen, was sie messen, wo sie in die Irre führen können und wie du sie für deine eigene Site abrufst. Am Ende geht es um die Frage, die in der SEO-Welt zuerst kam: Ist das ein Rankingfaktor?

Was Chrome am 15. September veröffentlicht hat

Key Takeaway: Vier experimentelle Werte zu Anzeigen, gemessen an echten Chrome-Nutzern und öffentlich abrufbar. Chrome nennt als Zielgruppe Werbetreibende und ihre Dienstleister. Von der Suche ist keine Rede.

Am 15. September 2026 hat das Chrome-Team im Chrome-Developer-Blog vier neue Metriken für den Chrome User Experience Report angekündigt, kurz CrUX. Das ist derselbe Datensatz, aus dem auch die Felddaten der Core Web Vitals stammen. Die neuen Werte heißen Ad Count, Ad Density, Ad Weight: CPU und Ad Weight: Network.

Alle vier sind als „experimental“ gekennzeichnet. Chrome schreibt, man sei offen für Rückmeldungen und könne die Metriken weiterentwickeln. Als Zielgruppe nennt die Ankündigung ausdrücklich Werbetreibende und die Dienstleister, über die sie Anzeigen buchen. Dazu kommen Zitate aus der Werbebranche, unter anderem von WPP, The Guardian, Mediavine, Index Exchange und Display & Video 360 von Google.

Ein Satz aus der Ankündigung ist für alle wichtig, die sich mit Core Web Vitals beschäftigen:

„CrUX ad metrics are not part of Core Web Vitals and don’t have suggested targets or thresholds.“

Es gibt also kein „gut“ und kein „schlecht“. Die Metriken sind Messwerte ohne Bewertung. Barry Pollard vom Chrome-Team hat die Einführung am selben Tag in einem Thread auf Bluesky vorgestellt. Dort schreibt er auch, dass die Werte schwer zu messen seien und CrUX deshalb in einer besonderen Position sei, sie zu veröffentlichen.

Hinweis: Laut Ankündigung soll die Datenlage im Laufe des Monats nach dem Start zunehmen. Fehlen für eine Site heute Werte, kann das in ein paar Wochen anders aussehen.

Die vier Werte und wie Chrome sie misst

Key Takeaway: Zwei Werte beschreiben, was Nutzer sehen: wie viele Anzeigen und wie viel Fläche. Zwei beschreiben den Ressourcenverbrauch der Anzeigen: CPU-Zeit und Datenmenge, aufsummiert über den Seitenbesuch.

Die Definitionen stehen in der Chrome-Dokumentation zu den Anzeigen-Metriken. Kurz zusammengefasst:

MetrikWas sie misstEinheit
Ad Countdurchschnittliche Zahl der Anzeigen im sichtbaren Bereich, gezählt ab einem sichtbaren PixelAnzahl mit 2 Nachkommastellen
Ad Densitydurchschnittlicher Anteil der sichtbaren Fläche, den Anzeigen belegenProzent
Ad Weight: CPUCPU-Zeit, die Werbe-Frames und ihre Unterressourcen während des Seitenbesuchs verbrauchenMillisekunden
Ad Weight: NetworkDatenmenge, die während des Seitenbesuchs für Anzeigen übertragen wirdKilobyte

Anzahl und Fläche misst Chrome einmal pro Sekunde im sichtbaren Bereich und bildet daraus einen Durchschnitt über den Besuch. Für die Anzahl reicht ein sichtbares Pixel. Jede Anzeige zählt einzeln, auch wenn eine andere sie überdeckt. Bei der Fläche zählt eine Überlappung dagegen nur einmal. CPU und Datenmenge werden aufsummiert. Die Messung beginnt mit dem ersten Byte des HTML-Dokuments und endet, wenn die Seite verlassen, der Tab geschlossen oder der Browser beendet wird. Auf Android endet sie auch, wenn der Browser in den Hintergrund geht. Bei Sites, die ohne Neuladen navigieren, läuft sie bis zum Schließen des Tabs weiter. Das steht in der Methodik-Seite.

Gemeldet wird jeweils das 75. Perzentil über ein rollierendes 28-Tage-Fenster, pro Origin und pro URL. Chrome erklärt das an einem Beispiel: Ein p75 von 23 Prozent bei Ad Density heißt, dass 75 Prozent aller Besuche eine Anzeigenfläche von 23 Prozent oder weniger hatten. Bei den übrigen 25 Prozent war sie höher.

Spannend ist, wie Chrome eine Anzeige überhaupt erkennt. Laut der Seite zur Anzeigenerkennung gleicht der Browser Anfragen mit einer verkürzten Fassung der EasyList ab, einer offenen Filterliste gegen Werbung. Zusätzlich prüft er, ob eine Anfrage von einem bereits erkannten Werbeskript ausgelöst wurde. Ein iframe, der einmal als Werbung gilt, bleibt es, auch wenn er später etwas anderes lädt. Das Hauptdokument selbst gilt nie als Werbe-Frame.

Dieselbe Erkennung nutzt Chrome laut der Doku zur Anzeigenerkennung auch für Eingriffe im Browser, etwa um Anzeigen zu entladen, die übermäßig viel CPU oder Daten verbrauchen.

Ausnahme: Chrome auf iOS, eingebettete Android-WebViews und andere Chromium-Browser werden nicht erfasst. Besuche auf iPhones fließen deshalb nicht in diese Werte ein.

Zehn deutsche Nachrichtenseiten im Vergleich

Key Takeaway: Auf dem Handy lag die Werbe-Datenmenge pro Seitenbesuch zwischen 454 KB und 6.241 KB. Am Desktop reichte die CPU-Zeit für Anzeigen von 3.868 ms bis 13.745 ms. Eine Bewertung der Seiten ist das nicht.

Wie die zehn Sites ausgewählt sind: Ausgangspunkt waren allgemeine Nachrichtenangebote. Davon habe ich die zehn mit dem höchsten geschätzten organischen Google-Traffic in Deutschland genommen, für die CrUX Anzeigenwerte meldet. Die Schätzung stammt aus meiner eigenen Abfrage im SEO-Werkzeug DataForSEO am 19.09.2026. Sie ist die eines Drittanbieters und keine offizielle Google-Zahl. Die Angebote von tagesschau.de, zdf.de, ndr.de und br.de liegen dort zwar weit vorn, haben aber keine ads.txt mit autorisierten Verkäufern und deshalb keine Anzeigenwerte. web.de liegt ebenfalls vor einigen der zehn, ist aber ein E-Mail- und Webportal und kein allgemeines Nachrichtenangebot.

Methode: Die Werte geben den am 19.09.2026 in CrUX Vis angezeigten Stand der experimentellen CrUX-Anzeigenmetriken wieder, auf Origin-Ebene, beim 75. Perzentil und für das rollierende 28-Tage-Fenster vom 16.08. bis 12.09.2026. Die angezeigten Werte habe ich mit den Antworten der CrUX History API abgeglichen, die CrUX Vis beim Abruf geladen hat. Quelle: Google Chrome User Experience Report, lizenziert unter CC BY 4.0. Auswahl und Darstellung: Christian Ott. Die Werte selbst sind unverändert übernommen.

Telefon

OriginDaten (KB)CPU (ms)Fläche (%)Anzeigen
focus.de6.2415.982160,88
t-online.de3.3976.455130,77
n-tv.de2.8172.03491,54
faz.net2.7452.32390,44
stern.de2.4482.488111,77
spiegel.de2.2612.424130,58
welt.de2.0892.827110,51
zeit.de1.9261.615120,58
sueddeutsche.de1.9211.35180,38
bild.de4542.07081,54

Desktop

OriginDaten (KB)CPU (ms)Fläche (%)Anzeigen
focus.de6.49513.745192,33
faz.net2.8126.416231,77
stern.de2.7656.676142,03
bild.de2.5933.868261,77
welt.de2.5844.691232,03
n-tv.de2.4626.153132,68
spiegel.de2.4535.522242,03
zeit.de1.9163.960201,77
t-online.de1.7573.947221,77
sueddeutsche.de1.6944.628231,77
Achtung: Die Tabellen sind eine Momentaufnahme eines 28-Tage-Fensters. Sie sind keine Rangliste, keine Qualitätsbewertung und keine Aussage über die redaktionelle oder wirtschaftliche Qualität der genannten Angebote. Sie messen auch nicht jede Form von Werbung. Die Werte hängen auch von Besuchsdauer, Nutzungsverhalten, technischer Umsetzung und Geräteabdeckung ab. Warum das für Vergleiche wichtig ist, steht im nächsten Abschnitt.

Drei Dinge fallen beim Lesen auf. Erstens die Spanne bei der Datenmenge auf dem Handy. Zwischen bild.de mit 454 KB und focus.de mit 6.241 KB liegt knapp das Vierzehnfache. Sieben der zehn Sites lagen zwischen 1.900 und 2.900 KB.

Zweitens der Desktop. Dort standen bei allen zehn Sites mehr Anzeigen gleichzeitig im Bild als auf dem Handy. Die Anzeigen belegten auch mehr Fläche. Ein größerer sichtbarer Bereich kann dazu beitragen. Die Ursache lässt sich aus den Daten allein nicht bestimmen. Die höchste Werbe-CPU-Zeit in dieser Auswahl hatte focus.de mit 13.745 ms pro Seitenbesuch am Desktop.

Drittens die Fläche. Mobil lagen die p75-Werte zwischen 8 und 16 Prozent des sichtbaren Bereichs, am Desktop zwischen 13 und 26 Prozent.

Warum du die Werte nicht einfach vergleichen kannst

Key Takeaway: Die Anzahl der Anzeigen kommt in groben Stufen. CPU und Datenmenge wachsen mit der Dauer des Besuchs. Und Werbeskripte, die im Hauptdokument laufen, fehlen in der CPU-Zeit.

Beim Abgleich mit den Rohdaten ist mir etwas aufgefallen, das in keiner Meldung stand, die ich gelesen habe. Die Werte für Ad Count sind nicht beliebig. In den 20 Werten der beiden Tabellen kommen nur elf verschiedene Zahlen vor. Wo zwei davon benachbart sind, liegt der Abstand bei rund 15 Prozent: 1,54 · 1,77 · 2,03 · 2,33 · 2,68.

Für die Praxis heißt das: Zwei Sites mit 2,03 sind nicht zwingend gleich. Und eine Site mit 2,33 liegt eine Stufe über einer mit 2,03, mehr lässt sich daraus nicht ablesen. Warum die Werte so gestuft sind, erklären die Doku-Seiten zu den Anzeigen-Metriken nicht. Ich lese kleine Unterschiede beim Ad Count deshalb nicht als Unterschied.

Der zweite Punkt betrifft CPU und Datenmenge. Beide werden über den ganzen Seitenbesuch aufsummiert. Eine Seite, auf der Nutzer lange bleiben und Anzeigen nachladen, kommt so auf höhere Werte als eine gleich schwere Seite, die man nach zehn Sekunden verlässt. Ein hoher Wert kann also auch an langen Besuchen liegen.

Der dritte Punkt steht in der Doku zur CPU-Metrik:

„The CPU time is measured for ad frames only and excludes CPU time for main frame ad scripts.“

Gezählt wird also nur, was in Werbe-Frames läuft. Werbeskripte, die direkt im Hauptdokument arbeiten, fehlen in Ad Weight: CPU. Harry Roberts weist in seiner Kolumne bei CSS Wizardry darauf hin, dass dieser Anteil erheblich sein kann. Und zwar auf Sites, deren Werbe-Tags früh im Dokument laufen und die Werbe-Frames erst später erzeugen. Eine Site, die ihre Werbung stärker im Hauptdokument steuert, kann bei der CPU-Zeit also niedriger ausfallen als eine vergleichbare Site mit mehr Werbe-Frames.

Dazu kommen die Grenzen der Erkennung. Was nicht auf der Filterliste steht und nicht von einem erkannten Werbeskript kommt, wird nicht als Anzeige erfasst. Und Chrome auf iOS fehlt ganz. Für eine Site mit vielen iPhone-Lesern beschreiben die Werte nur einen Teil des Publikums.

Warum seo-kreativ.de keine Werte hat

Key Takeaway: Nach der Methodik braucht eine Site unter anderem eine ads.txt mit mindestens einem autorisierten Verkäufer. seo-kreativ.de hat keine ads.txt und lädt keine Werbeskripte von Dritten.

Die Regel steht in der Methodik-Seite. CrUX meldet die Anzeigen-Metriken nur für Sites, deren ads.txt mindestens einen autorisierten Verkäufer nennt. Fehlt die Datei oder steht darin nur ein Platzhalter, bleibt die Site draußen. Daneben gelten die allgemeinen Aufnahmekriterien des Chrome UX Report, etwa eine Mindestzahl an Besuchern. Die ads.txt ist die Datei, mit der Publisher öffentlich festhalten, wer ihre Werbeplätze verkaufen darf.

Auf seo-kreativ.de liefert /ads.txt einen 404. Die Seiten laden auch keine Werbeskripte von Google oder anderen Netzwerken. Das habe ich am 19.09.2026 für die Startseite und zwei Beiträge im Quelltext geprüft.

Werbung gibt es hier trotzdem. Seit August stehen in fünf englischen Beiträgen bezahlte Platzierungen, gekennzeichnet mit „Paid placement“. Es sind Textblöcke direkt im Artikel, ohne iframe und ohne Werbeskript. Nach der dokumentierten Erkennungsmethode würden sie voraussichtlich auch mit ads.txt nicht als Anzeige erfasst, weil das Hauptdokument nie als Werbe-Frame gilt.

Das ist die Grenze der neuen Metriken. Sie beschreiben vor allem Anzeigen, die über Werbenetzwerke und deren Technik ausgeliefert werden. Direkt verkaufte Platzierungen im Text, Affiliate-Links oder Advertorials sind Werbung, werden von diesen Metriken nach den dokumentierten Regeln aber voraussichtlich nicht erfasst. Einzelne Ressourcen im Hauptdokument kann Chrome allerdings als werbebezogen einstufen.

So rufst du die Werte für deine Site ab

Key Takeaway: Am schnellsten geht es über CrUX Vis im Browser. Für Automatisierung gibt es die CrUX API mit eigenen Metrik-Schlüsseln. Für lokale Tests zeigt das Ads-Panel in den DevTools Werte auch ohne ads.txt.

Laut der Tooling-Seite von Chrome gibt es drei Wege. BigQuery soll später dazukommen. Ich habe für diesen Beitrag CrUX Vis genutzt, weil es ohne jede Einrichtung im Browser läuft.

  1. CrUX Vis: Öffne cruxvis.withgoogle.com, gib deine Origin ein und wähle links „Ad metrics“. Oben kannst du zwischen Telefon und Desktop umschalten. Jede Metrik ist ein eigenes Diagramm mit dem Verlauf der letzten Wochen. Bei den Sites in meiner Auswahl reichen die Daten bis zum Fenster 05.07. bis 01.08.2026 zurück, also vor die Ankündigung. Für die Zahlen aus diesem Beitrag gehst du im Diagramm auf das Fenster 16.08. bis 12.09.2026 zurück. Der aktuelle Stand zeigt wegen des rollierenden Fensters andere Werte.
  2. CrUX API und CrUX History API: Die Metrik-Schlüssel lauten experimental_ad_count, experimental_ad_density, experimental_ad_cpu und experimental_ad_kilobytes. Du brauchst einen API-Schlüssel aus der Google Cloud Console.
  3. DevTools: Das Ads-Panel misst lokal auf deinem Rechner. Laut Methodik-Seite zeigt es die Werte auch auf Seiten ohne ads.txt. In CrUX landen diese Messungen aber nur, wenn die ads.txt autorisierte Verkäufer nennt.
Tipp: Schau dir zuerst Telefon und Desktop getrennt an und notier dir den Zeitraum. Das 28-Tage-Fenster rückt wöchentlich weiter, ein späterer Abruf zeigt andere Zahlen. Beim Vergleich mit Wettbewerbern gilt: Ad Count nur über mehrere Stufen hinweg vergleichen, CPU und Datenmenge nur zwischen Sites mit ähnlicher Verweildauer.

Wie du die DevTools auch für ein komplettes Audit nutzt, habe ich im Beitrag zum Lighthouse-Audit mit Chrome DevTools MCP beschrieben.

Was die Anzeigen-Metriken für SEO bedeuten

Key Takeaway: Die Anzeigen-Metriken sind kein Teil der Core Web Vitals. Eine Nutzung in der Google-Suche beschreiben Ankündigung und Doku nicht. Anzeigen können aber die Core Web Vitals beeinflussen. Die nutzt Google im Ranking.

Die erste Frage in der SEO-Welt war erwartbar: Rankt eine Seite mit weniger Werbung besser? In der Ankündigung, der zugehörigen Methodik und im Thread von Barry Pollard wird keine Nutzung dieser vier Metriken als Signal der Google-Suche beschrieben. Chrome spricht von Transparenz für Werbetreibende und Publisher. Aus meiner Sicht sollte man die Metriken deshalb nicht als Rankingfaktor behandeln, solange Google nichts anderes sagt.

Was Google zur Suche sagt, steht an anderer Stelle. In der Search-Central-Seite zur Seitennutzung gibt es eine Liste von Fragen zur Selbstprüfung. Eine davon lautet:

„Does your content avoid using an excessive amount of ads that distract from or interfere with the main content?“

Auf derselben Seite schreibt Google: „Core Web Vitals are used by our ranking systems.“ Die Anzeigen-Metriken werden dort nicht erwähnt. Die Frage nach zu viel Werbung ist eine Selbstprüfung ohne Messwert.

Der indirekte Weg ist trotzdem real. Werbeskripte brauchen CPU-Zeit und Daten. Chrome schreibt selbst, dass das die Leistung einer Seite beeinflussen kann. Ob das bei dir auf INP oder LCP durchschlägt, siehst du in den Core Web Vitals, nicht in den Anzeigen-Metriken. Wie du die drei Werte misst und verbesserst, steht in meinem Guide zu den Core Web Vitals. Warum Drittanbieter-Skripte das Rendering bremsen können, erkläre ich im Beitrag zu JavaScript-SEO und Rendering.

Für Publisher gibt es noch einen zweiten Grund, die Werte im Blick zu behalten. Sie sind öffentlich. Werbekäufer können sie für jede erfasste Site abrufen. Chrome schreibt, dass sie genau dafür gedacht sind. Was das für Preise und Buchungen heißt, lässt sich heute noch nicht sagen.

Welche Signale nach heutigem Stand wirklich ins Ranking eingehen und welche nur vermutet werden, habe ich im Beitrag zu den Google-Rankingfaktoren zusammengetragen.

Infografik: Werbe-Datenmenge pro Seitenbesuch

Key Takeaway: Die Werbe-Datenmenge pro Seitenbesuch auf dem Handy für die zehn Nachrichtenseiten, auf einer bei null beginnenden Achse. Kein Ranking der Publisher und keine Messung sämtlicher Werbeformen.
Balkendiagramm: Werbe-Datenmenge pro Seitenbesuch auf dem Handy für zehn deutsche Nachrichtenseiten, 75. Perzentil, von 6.241 KB bei focus.de bis 454 KB bei bild.de, Zeitraum 16.08. bis 12.09.2026
Abbildung: Eigene Darstellung. Daten aus dem Chrome UX Report (Google, experimentelle Metrik Ad Weight: Network, 10 Nachrichtenseiten, Origin-Ebene, Telefon, 75. Perzentil), Zeitraum 16.08. bis 12.09.2026, abgerufen über CrUX Vis am 19.09.2026, Lizenz CC BY 4.0. Beobachtung in Chrome-Daten, kein allgemeiner Beleg. Kein Ranking der Publisher und keine Messung sämtlicher Werbeformen. Stand: September 2026.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind die CrUX Ad Metrics?

Vier experimentelle Werte im Chrome UX Report, die Chrome seit dem 15. September 2026 veröffentlicht: Ad Count, Ad Density, Ad Weight: CPU und Ad Weight: Network. Sie beschreiben, wie viele Anzeigen Nutzer gleichzeitig sehen, wie viel Fläche sie belegen und wie viel CPU-Zeit und Daten die Anzeigen pro Seitenbesuch verbrauchen.

Sind die Anzeigen-Metriken ein Rankingfaktor?

In den öffentlichen Chrome-Quellen gibt es dafür keinen Beleg. Chrome schreibt, dass die Metriken nicht zu den Core Web Vitals gehören und keine Zielwerte haben. Ankündigung und Doku beschreiben keine Nutzung in der Google-Suche. Eine indirekte Wirkung über die Core Web Vitals bleibt möglich. Googles Doku zur Seitennutzung fragt allerdings, ob Inhalte übermäßig viel störende Werbung vermeiden.

Warum zeigt CrUX für meine Site keine Anzeigen-Metriken?

Oft fehlt eine ads.txt mit mindestens einem autorisierten Verkäufer. Ohne sie meldet CrUX nach der Methodik keine Werte. Außerdem muss die Site die allgemeinen Aufnahmekriterien des Chrome UX Report erfüllen, etwa genug Besucher haben. Laut der Ankündigung soll die Datenlage in den Wochen nach dem Start zunehmen.

Was heißt ein Ad Count von 2,03 beim 75. Perzentil?

Bei drei Vierteln der erfassten Seitenbesuche lag die durchschnittliche Zahl gleichzeitig sichtbarer Anzeigen bei 2,03 oder darunter. Das heißt nicht, dass jeder Nutzer genau 2,03 Anzeigen sieht. Die Werte kommen außerdem in Stufen, 2,33 ist die nächste Stufe über 2,03.

Zählen auch Affiliate-Links oder bezahlte Textplatzierungen?

Nach den dokumentierten Regeln voraussichtlich nicht. Chrome erkennt Anzeigen über eine Filterliste und über Werbeskripte. Das Hauptdokument gilt nie als Werbe-Frame, Textblöcke direkt im Artikel werden deshalb voraussichtlich nicht als Anzeige erfasst, obwohl sie Werbung sind.

Fazit: öffentliche Zahlen, kein bestätigter Rankingfaktor

Key Takeaway: Chrome macht die erfassten Anzeigenwerte jeder Site mit gültiger ads.txt öffentlich. Die Zahlen gehen weit auseinander. Dass sie ins Ranking eingehen, steht weder in der Ankündigung noch in der Doku.

Für zehn große deutsche Nachrichtenseiten liegen die Werte jetzt offen. Auf dem Handy reichte die Werbe-Datenmenge pro Seitenbesuch von 454 KB bis 6.241 KB.

Aus meiner Sicht sind die Metriken vor allem ein Werkzeug für Publisher und Werbekäufer. Für SEO sind sie ein Hinweis, wo sich ein Blick in die Core Web Vitals lohnt. Mehr nicht. Wer sie für Vergleiche nutzt, sollte die Stufen beim Ad Count kennen und im Kopf behalten, dass CPU und Datenmenge über den ganzen Besuch summiert sind. Besuche mit Chrome auf iOS fehlen ganz.

Tipp: Betreibst du eine Site mit programmatischer Werbung, ruf deine Werte jetzt in CrUX Vis ab und leg sie mit Datum ab. Die Daten reichen bis Juli zurück. Mit dem ersten Stand siehst du später, ob sich eine Änderung an der Werbung in den Zahlen zeigt. Ich habe die Rohdaten der zehn Sites aus diesem Beitrag ebenfalls archiviert.

Quellen

Chrome for Developers: New ad metrics in Chrome User Experience Report vom 15.09.2026 (Ankündigung, Eigenmeldung) · CrUX ad metrics overview · Methodik · Anzeigenerkennung · Ad Weight: CPU · Tooling · CrUX-Methodik und Lizenz, alle abgerufen am 19.09.2026.

Barry Pollard (Chrome-Team): Thread auf Bluesky vom 15.09.2026. Google Search Central: Understanding page experience in Google Search results, Stand 10.12.2025. Harry Roberts: Web-Perf Wednesday 009 vom 16.09.2026.

Datenquelle: Google Chrome User Experience Report (CrUX), experimentelle Anzeigen-Metriken, abgerufen über CrUX Vis am 19.09.2026, Origin-Ebene, 75. Perzentil, Fenster 16.08. bis 12.09.2026. CrUX-Datensätze von Google stehen unter CC BY 4.0. Auswahl der Origins und Darstellung: Christian Ott. Auswahlkriterium: geschätzter organischer Google-Traffic in Deutschland laut DataForSEO, abgerufen am 19.09.2026.

Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche wird für Aktualität und Vollständigkeit keine Gewähr übernommen. Die genannten Werte geben den am 19.09.2026 in CrUX Vis angezeigten Stand der experimentellen CrUX-Anzeigenmetriken wieder, erfasst auf Origin-Ebene für das 75. Perzentil und das rollierende 28-Tage-Fenster vom 16.08. bis 12.09.2026. Die Metriken erfassen nicht zwangsläufig sämtliche Werbeformen und sind wegen unterschiedlicher Nutzung, Besuchsdauer, technischer Umsetzung, Geräteabdeckung und Messmethodik nicht als Rangliste oder Bewertung der genannten Websites zu verstehen. Sie beruhen auf den von Google im Chrome UX Report veröffentlichten Daten, für deren Richtigkeit keine Gewähr übernommen wird. Die Werte sind unverändert aus CrUX Vis übernommen. Auswahl, Tabellen und Grafiken verantwortet der Autor. Technische und verfahrensbezogene Angaben geben den zum genannten Stand dokumentierten Zustand wieder und können sich ändern. Die Darstellung beschreibt öffentlich verfügbare, aggregierte Messwerte und enthält keine Aussage über eine Billigung oder Kooperation der genannten Publisher. Alle genannten Marken, Produkt- und Websitenamen sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber. Dieser Beitrag ist keine individuelle Beratungsleistung.

Christian Ott - Gründer von www.seo-kreativ.de

Christian Ott - SEO kreativ denken & Wissen teilen

Als Gründer von SEO-Kreativ lebe ich meine 2014 entdeckte Leidenschaft für SEO. Mein Weg vom Hobby-Blogger zum SEO-Experten und Product Developer hat dabei meinen Ansatz geprägt: Ich teile Wissen verständlich, praxisnah und ohne Fachchinesisch.