Googles goto-Links: Suchergebnisse laufen jetzt über einen Umweg

Bildschirm mit Suchergebnissen, die ueber einen verschluesselten Zwischenknoten auf eine Webseite fuehren
Das Wichtigste in Kürze:

Google verlinkt Suchergebnisse nicht mehr direkt, sondern über eine Zwischenadresse auf google.com/goto. Am 26.08.2026 hat ein Google-Sprecher den Rollout bestätigt. Die Zieladresse steht nicht mehr im Link, sie ist kodiert.

  • Gesichtet wurde das Format erstmals am 23.06.2026, bestätigt wurde es zwei Monate später.
  • Googles Statement spricht von technischen Maßnahmen gegen Missbrauch. Es nennt den goto-Parameter nicht und eine Dokumentation dazu gibt es nicht.
  • Für Rank-Tracker wird Messen teurer statt unmöglich: Nozzle nennt 500 bis 1.000 Requests, um ein fünfseitiges Ranking aufzulösen. Sistrix löst bereits auf.
  • Am schwersten traf es die AI Overviews: Dort blieb am 27.08.2026 bei 52,26 Prozent der SERPs mindestens eine URL ungelöst, organisch waren es 0,01 Prozent. Einen Tag später meldete der Anbieter ein Update, das auch diese Fälle auflöst.
  • Der Kontext, den Googles Statement auslässt: Ein US-Gericht hat im Juli Googles DMCA-Ansprüche abgewiesen, soweit sie Suchergebnisse ohne urheberrechtlich geschützte Bestandteile betrafen.

Am 31.08.2026 habe ich „seo kreativ“ bei Google eingegeben und bin über meinen eigenen Treffer gefahren, so wie vor jeder Snippet-Kontrolle. Unten links stand nicht seo-kreativ.de. Dort stand google.com/goto und dahinter eine Zeichenkette, die nach nichts aussah.

Zwei Monate lang war das eine Beobachtung, über die einzelne Leute auf X berichteten. Am 26.08.2026 hat Google technische Maßnahmen gegen Missbrauch bestätigt, die die Fachpresse dieser Umstellung zuordnet. Wenn du in den Google-Suchergebnissen über ein Ergebnis fährst, zeigt der Link seitdem nicht mehr auf die Website, sondern auf eine Adresse bei Google.

Für dich als Nutzer ändert das fast nichts. Du klickst, du landest, wo du landen wolltest. Für jedes Werkzeug, das Suchergebnisse ausliest, ändert es die Rechnung. Und für die Frage, warum Google das tut, ist Googles eigene Antwort die uninteressanteste Quelle.

Dieser Beitrag trennt drei Dinge, die in der Berichterstattung oft ineinanderlaufen: was technisch passiert, was davon belegt ist und was daraus für deine Zahlen folgt.

Was Google technisch geändert hat

Key Takeaway: Der Ergebnis-Link zeigt auf google.com/goto, die Zieladresse steht dort nicht mehr als Klartext. In den vorliegenden Tests antwortet die Adresse mit einer 302-Weiterleitung. Aus dem Parameter allein lässt sich das Ziel nach Angaben der Tool-Anbieter nicht zurückgewinnen.

Das Muster ist seit der frühesten öffentlich dokumentierten Sichtung stabil. Alex Greenland beschrieb es am 23.06.2026 auf X so: „Result link URLs are now being rewritten to google•com/goto?url=[custom base64-like encoding of URL or Google ID]. Upon click, they redirect to their proper destination.“

Zwei Details daran sind die eigentliche Nachricht.

Erstens: Die Adresse ist kodiert, nicht geschrieben. Früher stand die Ziel-URL im Link und ein Programm konnte sie einfach ablesen. Jetzt steht dort eine kodierte Zeichenkette. Wer wissen will, wohin ein Ergebnis führt, muss der Weiterleitung folgen und Google fragen.

Zweitens: In den vorliegenden Tests ist es eine 302. Also eine temporäre Weiterleitung. Das ist technisch relevant, weil eine 302 Crawlern signalisieren kann, dass die Zwischenadresse die Zieladresse nicht dauerhaft ersetzen soll. Wie Google die Adresse intern verarbeitet, folgt daraus nicht. Die goto-URL ist als Durchgang gebaut, nicht als neue Adresse deiner Seite. Wie Google mit Weiterleitungen grundsätzlich umgeht, steht im Überblick zum Suchalgorithmus.

Google-Suchergebnisseite zur Anfrage seo kreativ. In der Statusleiste des Browsers steht statt der Zieladresse eine google.com/goto-URL mit kodiertem Parameter.
Eigene Aufnahme vom 31.08.2026, google.de, Anfrage „seo kreativ“. Beim Überfahren des Treffers zeigt die Statusleiste nicht mehr die Zieladresse, sondern eine goto-URL. UI: Google, unverändert, zur redaktionellen Dokumentation eines beobachteten technischen Verhaltens. Logos, Markennamen und Seitenelemente stehen nicht für eine Zusammenarbeit mit oder eine Unterstützung durch Google.

Was in dem Parameter steht, habe ich nachgesehen. Der Token aus dieser Aufnahme ist 116 Zeichen lang und ergibt dekodiert 87 Byte. Diese 87 Byte tragen eine Protobuf-Struktur mit genau zwei Feldern: einer Zahl mit dem Wert 1 als vermutlicher Versionskennung und einem Block aus 83 Byte. In diesem Block steht nichts Lesbares. Kein Domainname, kein Pfad, kein Klartext.

Damit ist die verbreitete Formulierung, die Adresse sei „verschlüsselt“, ungenau. In dem untersuchten Token war keine lesbare Zieladresse enthalten, sondern eine Referenz, die sich ohne Googles Weiterleitung nicht auflösen ließ. Das ist ein Einzelbefund an einem Token und keine Aussage über jeden goto-Link. Deshalb hilft kein geschicktes Dekodieren. Ob ein zusätzlicher Abruf nötig wird, hängt allerdings vom Feature ab: Wo die Zieladresse noch im Seitenquelltext steht, lässt sie sich dort ablesen. Wo nicht, bleibt nur der Weg über die Weiterleitung. Was Derek Perkins mit „can’t be decoded“ meint, ist also keine Klage über fehlenden Aufwand, sondern eine Beschreibung der Bauweise.

Ist so ein Token heikel zu zeigen? Ich hatte ihn zuerst geschwärzt, weil ich seinen Inhalt nicht bestimmen konnte. Das war eine Vermutung, keine Messung und die Messung fällt anders aus. Ich habe den Token aus der Aufnahme oben von einem fremden Server abgerufen, ohne Cookies, von einer anderen IP: Antwort 302, Ziel https://www.seo-kreativ.de/. Drei Abrufe hintereinander liefern dasselbe. Er ist also nicht an meine Sitzung gebunden, sondern portabel.

Verändern lässt er sich dabei nicht. Ein einziges anderes Zeichen im Nutzdatenblock, ein anderes Endzeichen oder zehn Zeichen weniger: jedes Mal HTTP 400 statt einer Weiterleitung. Die 83 Byte tragen eine Integritätssicherung.

Daraus folgen zwei Dinge. Bei dem von mir getesteten Token war nichts Personenbezogenes erkennbar und der Abruf nicht an meine Sitzung gebunden; wer ihn zeigt, gibt damit nur das Ziel preis, das im Screenshot ohnehin steht. Eine Aussage über sämtliche goto-Links ist das nicht. Und das ist der Grund, warum die Auflösung genau einen Request kostet und keinen weniger: Lesen kannst du den Token nicht, bauen auch nicht, einlösen dagegen so oft du willst.

Zum Nachmachen: Kopier dir aus deiner eigenen SERP eine goto-URL und ruf sie mit einem Werkzeug ab, das Weiterleitungen nicht automatisch folgt. Im Location-Header steht dein Ziel. Genau diesen einen Request muss auch jeder Rank-Tracker pro Link aufbringen und daraus wird die Rechnung, die Nozzle mit 500 bis 1.000 Requests je Ranking beziffert.

Der Weg von der Sichtung zur Bestätigung war lang. Öffentlich dokumentiert am 23.06.2026, als Test aufgegriffen am 08.07.2026, bestätigt am 26.08.2026. Ein früherer Beginn ist damit nicht ausgeschlossen: Derek Perkins schrieb im Juli, man beobachte solche Weiterleitungen bereits seit Monaten. In der Zwischenzeit dokumentierte unter anderem Brodie Clark im Newsletter SERP Alert dasselbe Verhalten.

Was Google dazu sagt und was nicht

Key Takeaway: Google bestätigt den Rollout, aber das Statement nennt weder den goto-Parameter noch einen Zeitpunkt noch einen Umfang. Eine Dokumentation existiert nicht.

Ein Google-Sprecher hat gegenüber Search Engine Roundtable erklärt: „We have a long history of deploying technical measures against evolving forms of abuse, and we regularly take steps to protect our services and users.“

Lies den Satz noch einmal. Er sagt, dass Google technische Maßnahmen gegen Missbrauch ergreift. Er sagt nicht, worum es geht, seit wann, für wen und in welchem Umfang. Das Wort goto kommt darin nicht vor.

Die Zuordnung dieses Statements zur goto-Umstellung stammt von den Berichtenden, nicht von Google. Sie ist plausibel, weil die Frage an Google genau dazu gestellt wurde. Belegt im Sinne einer Google-Angabe ist sie nicht.

Und es gibt dieses Statement genau einmal. Es steht bei Search Engine Roundtable und, sieben Stunden später, bei Search Engine Land. Beide Male schreibt derselbe Autor, Barry Schwartz und beide Male lautet die Formulierung „told us“. Das sind nicht zwei unabhängige Bestätigungen, sondern eine Anfrage in zwei Häusern. Wer die Meldung an zwei Stellen liest, hat sie deshalb nicht doppelt belegt.

Achtung: Wenn du gerade eine Überschrift liest, in der Google die goto-Links „bestätigt“ hat, dann steht dahinter dieser eine allgemeine Satz. Google hat keine Dokumentation zum goto-Parameter veröffentlicht. Es gibt also keine Stelle, an der du nachlesen könntest, was der Parameter tut, was er überträgt und wie lange es ihn gibt.

Was das die Messung kostet

Key Takeaway: Nozzle beziffert den Aufwand auf 500 bis 1.000 Requests, um alle Links eines fünfseitigen Rankings aufzulösen. Der sparsame Weg über HEAD-Requests ist versperrt.

Derek Perkins von Nozzle beobachtet den Rollout seit dem Test und beschreibt ihn als „nearly a 100% rollout across several residential ip providers“. Zum Aufwand sagt er: Alle Links eines einzelnen fünfseitigen Rankings aufzulösen kostet nach Angaben von Nozzle zwischen 500 und 1.000 Requests.

Die naheliegende Abkürzung funktioniert nicht. Aus dem Antwortstrang unter Perkins‘ Beitrag berichtet PPC Land, Mic King habe gefragt, ob HEAD-Requests reichen würden. Ein HEAD-Request holt nur die Kopfzeilen ohne den Seiteninhalt und würde das Weiterleitungsziel billig liefern. Perkins habe geantwortet, Google lasse den HEAD-Request nicht durch. Beides ist die Wiedergabe von PPC Land; die einzelnen Antworten sind dort nicht verlinkt und ich habe sie nicht im Original gesehen.

Damit ist nicht die Bandbreite das Problem und auch nicht der Speicher, sondern das Rate Limiting. Wer pro Keyword einige hundert zusätzliche Anfragen an Google stellen muss, stößt irgendwann an eine Grenze, die Google setzt und nicht der eigene Server.

Wie schnell diese Grenze kommt, habe ich nebenbei selbst gesehen. Für diesen Beitrag wollte ich eine google.de-Ergebnisseite automatisiert laden, um mir die Links im Quelltext anzusehen. Der Versuch endete nicht bei den Ergebnissen, sondern sofort auf google.com/sorry, der CAPTCHA-Seite. Ein einzelner Abruf aus einem automatisierten Browser, keine Serie, kein Werkzeug.

Das ist keine Messung des Rollouts und soll auch keine sein. Es ist die billigste Illustration dessen, worüber Perkins und Beus reden: Der Weg zu den Ergebnissen ist nicht verschlossen, aber er kostet und den Preis setzt Google. Wer die goto-Auflösung als isoliertes Problem liest, übersieht, dass sie auf einer Schranke aufsitzt, die vorher schon da war.

Was die Tool-Anbieter machen

Key Takeaway: Sistrix löst die Adressen bereits auf und skaliert das. Die Aktualisierungszyklen werden vorübergehend langsamer, an Vollständigkeit und Vergleichbarkeit der Daten ändert sich laut Anbieter nichts.

Johannes Beus von Sistrix hat sich einen Tag nach der Bestätigung geäußert und ordnet den Vorgang zunächst historisch ein: „Google erschwert seit rund einem Jahr die Erfassung von Suchergebnissen.“ Das größte öffentliche Echo habe damals das Ende des num=100-Parameters gehabt.

Zum eigenen Vorgehen schreibt er: „Wir lösen diese Adressen bereits zu den echten Zielen auf und skalieren das gerade, wobei jede aufgelöste URL einen zusätzlichen Request kostet.“ Die Messung werde dadurch „wieder ein Stück komplexer und teurer, verhindert wird sie nicht“. Die Aktualisierungszyklen würden vorübergehend langsamer, „an der Vollständigkeit und Vergleichbarkeit der Daten ändert sich dagegen nichts“.

Interessanter ist, wen er als Adressaten sieht. Die Maßnahmen richteten sich „in erster Linie gegen Wettbewerber von Google wie ChatGPT, die keinen eigenen Suchindex betreiben und trotzdem Googles Ergebnisse nutzen“. Tools wie Sistrix seien dabei „Kollateralschaden und nicht das eigentliche Ziel“. Das ist seine Lesart und keine Google-Angabe, aber sie erklärt die Richtung besser als der Verweis auf „abuse“.

Tipp: Wenn deine Sichtbarkeitskurve in den nächsten Tagen einen Knick zeigt, ist die erste Frage nicht „welches Update war das“, sondern „wann hat mein Tool zuletzt aktualisiert“. Ein langsamerer Zyklus sieht in einer Tageskurve aus wie eine Veränderung. Wie ich einen echten Ausschlag von normalem Rauschen trenne, steht in SERP-Volatilität deuten.

Nicht alle Anbieter melden dasselbe. Glenn Gabe wies am 28.08.2026 auf eine Statusmeldung von Ahrefs hin, die von einer „Google keyword ranking data disruption“ spricht; nach seiner Einschätzung habe man dort noch keine tragfähige Lösung. Die Meldung selbst ist ein Hinweis im Produkt und war für mich nicht abrufbar, belegt ist sie über Gabes Beitrag. Damit stehen drei Stände nebeneinander: Sistrix skaliert die Auflösung, DataForSEO meldet sie als weitgehend gelöst, Ahrefs meldet eine Störung.

Beide Angaben, die von Nozzle und die von Sistrix, sind Herstellerangaben über die eigene Infrastruktur. Das macht sie nicht falsch, im Gegenteil: Niemand sonst kann das messen. Es heißt nur, dass es keine unabhängige Gegenprobe dazu gibt.

Wo die Messung wirklich bricht

Key Takeaway: Nicht bei den organischen Ergebnissen. Dort lieferte DataForSEO nach eigenen Angaben schon am 27.08.2026 für 99,99 Prozent der SERPs aufgelöste Zieladressen, bei SERPs mit AI Overview dagegen blieb in 52,26 Prozent der Fälle mindestens eine URL offen. Einen Tag später meldete der Anbieter ein Update auch für diese Elemente. Wie sauber deine Daten sind, hängt damit am Anbieter und am Zeitpunkt.

Die verbreitete Erzählung lautet „Rank-Tracking in Gefahr“. Die Zahlen sagen etwas anderes und sie sagen es ziemlich deutlich. DataForSEO hat am 27.08.2026 offengelegt, bei wie vielen SERPs nach der Umstellung mindestens eine goto-URL ungelöst blieb, aufgeschlüsselt nach SERP-Element.

SERP-ElementAnteil der SERPs mit mindestens einer ungelösten goto-URL
Organische Ergebnisse0,01 %
Featured Snippet0,39 %
Local Pack25,1 %
AI Overview52,26 %

Quelle: DataForSEO, Statusmeldung vom 27.08.2026. Anteil der SERPs mit mindestens einer nicht aufgelösten goto-URL je Element. Herstellerangabe über die eigene Infrastruktur, keine unabhängige Messung. Stand: 31.08.2026.

Und diese Zahlen sind bereits überholt. Auf derselben Seite steht ein Nachtrag: „On August 28, we released an update that enables us to return direct destination URLs across all affected SERP elements, including AI Overviews.“ Die Tabelle oben ist also der Stand vom 27.08.2026 und nicht der Zustand. Sie bleibt trotzdem lehrreich, weil sie zeigt, welche Elemente am längsten gebraucht haben.

Der Befund in einem Satz: Für die klassische Rangmessung war die Lücke nach Anbieterangaben von Anfang an klein, bei den AI Overviews war sie groß und wurde einen Tag später geschlossen. Zu beachten ist dabei, dass die Werte Anteile an SERPs sind und nicht an einzelnen Links: Eine SERP zählt schon dann mit, wenn eine einzige URL darin ungelöst bleibt.

Das wiegt schwerer, als es klingt. Für organische Rankings hast du Jahre an Vergleichswerten und merkst sofort, wenn eine Reihe kippt. Für die Sichtbarkeit in AI Overviews hast du Monate. Eine Lücke in einer jungen Zeitreihe sieht aus wie eine Schwankung und niemand hat einen Erfahrungswert, der widerspricht.

Wie die Maskierung wirklich aussieht, hat Hanns Kronenberg von Chefkoch am 27.08.2026 nachgemessen: 1.040 Keywords auf google.de über die DataForSEO-Schnittstelle, danach dieselben Anfragen in gewöhnlichen Browser-Sitzungen gegengeprüft, zusammen 44.072 eingeordnete URLs.

Sein erster Befund widerspricht der Annahme, das treffe alle gleich. Bei „girokonto vergleich“ sah er im Browser 116 externe Links und keine einzige goto-Adresse. Im HTML, das dieselbe Anfrage über die Schnittstelle lieferte, stand kein einziger direkter Ergebnis-Link. Bei „best checking accounts“ auf google.com dasselbe Bild. Seine Zusammenfassung: Entscheidend sei nicht der Markt, sondern wie Google den Client behandelt.

Das ist der Grund, warum meine Aufnahme oben und seine Messung beide stimmen können. Ich habe die goto-Adresse in einem gewöhnlichen Browser gesehen, er in seinen Browser-Sitzungen nicht. Warum der eine Client die Weiterleitungen bekommt und der andere nicht, schreibt er ausdrücklich nicht zu wissen.

Sein zweiter Befund erklärt, warum manche Werkzeuge sauber bleiben und andere nicht. Die echte Zieladresse ist nicht verschwunden, sie steht an anderer Stelle in der Seite, in einem eingebetteten Datenblock neben der Weiterleitung. Wo dieser Block fehlt, bleibt nur die Google-Adresse. Aufgeschlüsselt nach Feature:

FeatureZieladresse auslesbar
Organische Treffer17.347 von 17.347
Videos1.204 von 1.204
Vergleichsboxenkeine, Mobile wie Desktop
Rezeptgalerien mobil12 von 1.956 · auf Desktop alle
Local Pack Desktop9 von 276 · mobil alle

Quelle: eigene Messreihe von Hanns Kronenberg, veröffentlicht am 27.08.2026. Grundlage sind 1.040 Keywords und 44.072 eingeordnete URLs. Die Spalte nennt, bei wie vielen Treffern die echte Zieladresse noch im Seitenquelltext stand.

Das ist die Stelle, an der es teuer wird: Bei den betroffenen Treffern steht laut Kronenberg im Datenfeld für die Domain google.com. Wer seine SERP-Daten nach Domains filtert, verliert diese Treffer also stillschweigend. Es gibt keinen Fehler, keine Lücke, keine Warnung. Die Auswertung sieht gültig aus und wird trotzdem schleichend schlechter. Wenn du mit SERP-Exporten arbeitest, ist das der Punkt, den du in deinen Filtern nachsehen solltest.
Tipp: Wenn du KI-Sichtbarkeit misst, vergleich nicht über den 26.08.2026 hinweg. Was danach an AI-Overview-Nennungen fehlt, kann genauso gut in der Messung fehlen wie in der Sichtbarkeit. Auseinanderhalten lässt sich das im Nachhinein kaum. Denselben Fehler gab es im August schon einmal, damals über einen Logging-Fehler in der Search Console.

Der Kontext, den das Statement auslässt

Key Takeaway: Im Juli hat ein US-Gericht Googles DMCA-Klage gegen einen Scraping-Anbieter abgewiesen, gestaffelt nach Inhalt: endgültig, soweit es um Suchergebnisse ohne urheberrechtlich geschützte Bestandteile ging, mit Gelegenheit zur Nachbesserung, soweit geschützte Bestandteile betroffen waren. Eine allgemeine Feststellung, Suchergebnisse seien ungeschützt, ist das nicht.

Google reichte am 19.12.2025 Klage gegen den Anbieter SerpApi ein. Der Vorwurf stützte sich auf Abschnitt 1201 des US-amerikanischen Digital Millennium Copyright Act: SerpApi habe Googles Anti-Bot-Schranke mit dem Namen SearchGuard umgangen.

Am 20.07.2026 gab US-Bezirksrichterin Yvonne Gonzalez Rogers dem Antrag von SerpApi auf Abweisung statt (Beschluss als PDF). Die Begründung ist für unsere Frage aufschlussreicher als das Ergebnis, deshalb in drei Schritten:

  • Die behaupteten Umgehungshandlungen waren ausreichend dargelegt. In diesem Verfahrensstadium unterstellt das Gericht den Vortrag als wahr und prüft nur, ob er schlüssig ist. Es sah die Behauptung als schlüssig an, SerpApi habe SearchGuard umgangen, indem es automatisierte Abfragen wie menschliche aussehen ließ und dabei Gerät, Software oder Ort falsch angab und indem es eine von einem anderen Browser erlangte Freigabe an nicht freigegebene Browser weiterreichte. Festgestellt ist damit nichts, geprüft wurde die Schlüssigkeit.
  • Für Ergebnisse ohne geschützte Bestandteile endete das Verfahren an dieser Klagegrundlage. Abschnitt 1201 setzt voraus, dass die technische Maßnahme den Zugang zu einem urheberrechtlich geschützten Werk kontrolliert. Soweit SearchGuard den Zugang zu Suchergebnissen kontrollierte, die keine geschützten Inhalte enthalten, wies das Gericht die Ansprüche ohne Möglichkeit zur Nachbesserung ab.
  • Für Ergebnisse mit geschützten Bestandteilen blieb es offen. Dort beanstandete das Gericht vor allem, dass Google nicht dargelegt hatte, von den jeweiligen Rechteinhabern zum Einsatz von SearchGuard ermächtigt worden zu sein. In diesem Punkt gab es Google 21 Tage zur Nachbesserung.
Achtung, das wird gerade verkürzt: Der Beschluss stellt nicht fest, dass Google-Suchergebnisse urheberrechtlich ungeschützt sind. Er sagt für einen abgegrenzten Teil der Ansprüche, dass die Voraussetzungen des Abschnitts 1201 nicht dargelegt sind. Und er macht Scraping nicht allgemein zulässig: Es geht um bestimmte DMCA-Ansprüche nach US-Recht. Vertragliche Ansprüche aus Googles Nutzungsbedingungen, Datenschutzrecht, Datenbank- und Wettbewerbsrecht bleiben davon unberührt und für die Rechtslage in Deutschland oder der Schweiz sagt die Entscheidung nichts.

Zwischen diesem Urteil und der goto-Umstellung stellen mehrere Fachmedien einen Zusammenhang her. Das ist eine naheliegende Lesart und sie ist nicht meine Erfindung. Sie ist aber auch keine Google-Angabe. Was sich belegen lässt, ist allein die Reihenfolge: Ein Weg, das Auslesen zu unterbinden, hat vor Gericht auf dieser Klagegrundlage nicht getragen. Ein anderer Weg, es zu verteuern, ist kurz darauf ausgerollt worden. Ob das eine mit dem anderen zu tun hat, ist eine Hypothese und bleibt eine.

Was sich für dich ändert und was nicht

Key Takeaway: Für eine Beeinträchtigung der Search-Console-Daten gibt es keinen belastbaren Hinweis; sie zählt bei Google und nicht am Link. Bei allem, was am Link hängt, ist die ehrliche Antwort: nachmessen statt annehmen.

Ich sortiere das nach Sicherheit, nicht nach Aufregung.

Kein Hinweis auf eine Wirkung gibt es bei der Search Console. Sie zählt Impressionen und Klicks auf Googles Seite und nicht anhand dessen, was in deinem Log ankommt. Eine Beeinträchtigung dieser Zahlen ist bislang nicht dokumentiert und eine ausdrückliche technische Aussage Googles dazu gibt es nicht. Wenn du deine eigene Sichtbarkeit beurteilen willst, ist sie damit die stabilste Quelle, die du hast. Wie ich meine eigenen Zahlen dort lese, steht in Ranking-Volatilität August 2026.

Betroffen sind Werkzeuge, die SERPs auslesen. Rank-Tracker, SERP-APIs, eigene Skripte im Haus. Nicht in dem Sinne, dass sie aufhören zu funktionieren, sondern dass sie mehr Anfragen brauchen und dadurch langsamer oder teurer werden.

Offen ist die Wirkung auf Referrer und Attribution. Und hier wird es in vielen Beiträgen unsauber. Die Weiterleitung liegt auf einer Google-Domain, es spricht also nichts dafür, dass in deinem Analytics plötzlich eine fremde Quelle auftaucht. Nur: Google hat dazu nichts dokumentiert. Es gibt keine Herstellerangabe, gegen die du das prüfen könntest.

Tipp: Statt zu raten, sieh in deinen eigenen Serverlogs nach. Filtere die Referrer der letzten zwei Wochen auf google und schau, ob neben den bekannten Google-Hosts etwas Neues auftaucht oder ob der Anteil ohne Referrer steigt. Das kostet zehn Minuten und beantwortet die Frage für deine Site besser als jede allgemeine Einschätzung, meine eingeschlossen.

Was ich nicht empfehle: jetzt das Tracking umzubauen. Die Umstellung ist wenige Tage alt, undokumentiert und wird von den Tool-Anbietern gerade aufgefangen. Ein Umbau auf einen Zustand, der sich noch bewegt, ist im besten Fall wirkungslos.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist ein google.com/goto-Link?

Eine Zwischenadresse bei Google, über die ein Suchergebnis-Link läuft, bevor du auf der Zielseite landest. Die Zieladresse steht nicht mehr lesbar im Link, sondern kodiert im Parameter. Beim Klick antwortet Google mit einer 302-Weiterleitung auf das eigentliche Ziel.

Seit wann gibt es das?

Erstmals öffentlich gesichtet wurde das Format am 23.06.2026, als Test berichtet wurde es am 08.07.2026. Ein Google-Sprecher bestätigte den Rollout am 26.08.2026. Ein genaues Startdatum für die flächendeckende Ausspielung hat Google nicht genannt.

Schadet das meinen Rankings?

Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt. Die Änderung betrifft nach aktuellem Kenntnisstand die technische Verlinkung in der Ergebnisliste, nicht die Bewertung deiner Seite. Einen Ranking-Effekt belegen die vorliegenden Quellen nicht. Was sich ändert, ist der Aufwand, mit dem Werkzeuge Ergebnisse auslesen.

Sind meine Search-Console-Daten betroffen?

Nein. Die Search Console zählt Impressionen und Klicks auf Googles Seite und nicht anhand des Links, der bei dir ankommt. Search Engine Land hält ausdrücklich fest, dass die Daten nicht betroffen sein sollten.

Funktionieren Rank-Tracker jetzt noch?

Ja, aber mit mehr Aufwand. Sistrix löst die Adressen nach eigener Angabe bereits auf und skaliert das; die Aktualisierungszyklen werden vorübergehend langsamer, Vollständigkeit und Vergleichbarkeit sollen unberührt bleiben. Nozzle beziffert den Aufwand auf 500 bis 1.000 Requests für ein fünfseitiges Ranking.

Warum macht Google das?

Google selbst sagt dazu nur, man ergreife technische Maßnahmen gegen Missbrauch. Fachmedien stellen einen Zusammenhang zum Rechtsstreit mit dem Anbieter SerpApi her, in dem ein US-Gericht im Juli 2026 Googles DMCA-Ansprüche teilweise endgültig abwies. Diese Verbindung ist eine Lesart der Berichterstattung, keine Google-Angabe und kein belegter Kausalzusammenhang.

Fazit: verteuert, nicht verschlossen

Key Takeaway: Nach den vorliegenden Anbieterangaben ist das Auslesen für die betroffenen Werkzeuge aufwendiger geworden; verhindert ist es in den beschriebenen Fällen nicht. Für deine eigene Arbeit ändert sich wenig, für die Werkzeuge dazwischen einiges.

Die nüchterne Fassung dieser Meldung ist unspektakulär: Google hat eine Zwischenadresse eingezogen, die das maschinelle Auslesen der Ergebnisse aufwendiger macht. Die Anbieter fangen das auf. Ein Ranking-Effekt ist bislang nicht belegt. Für eine Beeinträchtigung deiner Search-Console-Daten gibt es ebenfalls keinen Hinweis.

Wer daraus eine Krise der Rangmessung macht, schaut auf die falsche Zahl. Bei den organischen Ergebnissen bleibt nach Anbieterangaben in 0,01 Prozent der SERPs eine URL ungelöst. Die Lücke sitzt bei den AI Overviews und das ist genau die Messung, für die noch niemand eine belastbare Zeitreihe hat.

Interessant ist der Beitrag trotzdem und zwar wegen der Reihenfolge. Im Dezember klagt Google gegen einen Scraping-Anbieter. Im Juli weist ein Gericht die Ansprüche für Ergebnisse ohne geschützte Bestandteile endgültig ab. Im August rollt eine technische Maßnahme aus, die das Auslesen nicht verbietet, sondern verteuert. Google verknüpft diese drei Punkte nicht und ich behaupte den Zusammenhang deshalb auch nicht als Tatsache. Ich halte nur fest, dass die Chronologie so ist.

Was ich mitnehme: Wenn ein Weg über das Recht nicht trägt, bleibt der Weg über die Kosten. Das ist keine Schlagzeile, aber es ist die Bewegung, die man im Blick behalten sollte, wenn man beruflich auf Daten aus fremden Systemen angewiesen ist. Ähnlich gelagert ist die Entwicklung bei den KI-Crawlern und ihrer Abwehr.

Tipp: Wenn du eine Sache aus diesem Beitrag mitnimmst, dann diese: Prüf einmal deine eigenen Referrer-Daten, statt dich auf allgemeine Einschätzungen zu verlassen. Deine Logs sind die einzige Quelle, die deine Site betrifft.

Quellen

Was im Text verlinkt ist, steht hier noch einmal mit Datum und Rolle. Dazu die Fachbeiträge, deren Belegstelle im Text inzwischen durch die Primärquelle ersetzt ist.

Stand: 31.08.2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche wird für Aktualität und Vollständigkeit keine Gewähr übernommen. Technische und verfahrensbezogene Angaben geben den zum genannten Stand dokumentierten Zustand wieder und können sich ändern. Angaben zu Aufwand und Rollout stammen von den jeweiligen Tool-Anbietern über ihre eigene Infrastruktur. Die Darstellung des Gerichtsverfahrens folgt dem Beschluss vom 20.07.2026 im Verfahren Google LLC gegen SerpApi LLC, Az. 4:25-cv-10826-YGR und ist keine Rechtsberatung. Die Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf den Beschluss eines US-amerikanischen Bundesbezirksgerichts vom 20.07.2026 und erlauben keine allgemeine Aussage zur Zulässigkeit des Auslesens von Suchergebnissen nach US-amerikanischem, deutschem, schweizerischem oder sonstigem Recht. Die genannten Anbieter wurden redaktionell ausgewählt. Alle genannten Marken und Produktnamen sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber.

Christian Ott - Gründer von www.seo-kreativ.de

Christian Ott - SEO kreativ denken & Wissen teilen

Als Gründer von SEO-Kreativ lebe ich meine 2014 entdeckte Leidenschaft für SEO. Mein Weg vom Hobby-Blogger zum SEO-Experten und Product Developer hat dabei meinen Ansatz geprägt: Ich teile Wissen verständlich, praxisnah und ohne Fachchinesisch.