Meine Beobachtung: Google hat das Konzept „Affiliate-Seite“ offenbar abgeschrieben – der Markt trocknet langsam aber stetig aus, und das ist erst der Anfang.
Die Konsequenz: Für Generalisten-Websites wird die Luft dünner. Übrig bleiben Experten-Seiten – Projekte mit klarer Nische, echtem Fachwissen und erkennbaren Menschen dahinter.
Die Chance: Wer jetzt versteht, wohin die Reise geht, kann sich positionieren. SEO stirbt nicht – aber es wird exklusiver.
- Was ich in den letzten Monaten beobachtet habe
- Alarmierende Signale aus dem iGaming-Markt
- Das Ende der Affiliate-Seite, wie wir sie kannten
- Warum Generalisten-Websites ein Problem bekommen
- Die Zukunft gehört den Experten-Seiten
- Was das für uns SEOs bedeutet: Allrounder unter Druck
- Häufige Fragen (FAQ)
- Fazit
Die letzten Monate haben mich nachdenklich gemacht.
Ich beobachte diese Branche jetzt seit Jahren – die Höhen, die Tiefen, die ständigen Algorithmus-Updates. Aber was gerade passiert, fühlt sich anders an. Nicht wie ein weiteres Update, das man aussitzen kann. Eher wie ein tektonischer Shift.
Seiten, die jahrelang stabil rankten, verschwinden über Nacht. Kollegen, die ich schätze, verlieren 80% ihres Traffics. Und gleichzeitig höre ich von anderen, dass alles beim Alten ist. Wie passt das zusammen?
Ich habe die letzten Wochen viel recherchiert, beobachtet, analysiert. Und ich bin zu einer Einschätzung gekommen, die nicht jedem gefallen wird: Der Markt, wie wir ihn kannten, trocknet aus. Nicht für alle – aber für viele.
Die gute Nachricht: Wer versteht, was passiert, kann sich anpassen. Die Zukunft ist nicht düster – sie ist nur anders. Und sie gehört den Experten-Seiten.
Was ich in den letzten Monaten beobachtet habe
Lass mich dir erzählen, was mich zu dieser Einschätzung gebracht hat.
Es begann mit den Helpful Content Updates. Erst September 2023, dann die Welle im März 2024. Ich sah, wie Seite um Seite fiel – nicht nur die offensichtlich schlechten, sondern auch solide Projekte. Seiten mit echtem Content. Seiten, die Best Practices befolgten. Und das Muster setzte sich fort – bis zum Dezember 2025 Core Update, das weitere Wellen schlug.
Zuerst dachte ich: Das ist ein Fehler. Google wird das korrigieren. Aber die Korrektur kam nicht. Stattdessen kamen mehr Updates. Mehr Volatilität. Mehr Unsicherheit. Der Semrush Sensor zeigt seit Monaten erhöhte Werte – und ein Ende ist nicht in Sicht.
Die Muster, die sich abzeichnen
Nach Monaten der Beobachtung sehe ich klare Muster. Anonyme Nischenseiten ohne erkennbaren Betreiber werden systematisch abgewertet. Seiten, die primär auf Affiliate-Einnahmen optimiert sind, verlieren massiv. Content, der offensichtlich „für Google“ geschrieben wurde, performt schlechter. Websites, die thematisch zu breit aufgestellt sind, verlieren gegen fokussierte Spezialisten.
Und gleichzeitig gewinnen Seiten mit klarer thematischer Fokussierung und echter Tiefe, Projekte mit erkennbaren Experten dahinter, Content, der eine klare Perspektive hat und Marken, die in ihrem Bereich als Autorität wahrgenommen werden.
Das ist kein Zufall. Das ist eine Richtungsentscheidung.
Ich bin nicht allein mit dieser Einschätzung
Was mich in meiner Analyse bestärkt: Andere erfahrene SEOs sehen das genauso. Charles Floate beispielsweise – jemand, der seit über einem Jahrzehnt in dieser Branche arbeitet und die Grenzen des Machbaren ausgelotet hat – hat kürzlich auf LinkedIn eine ganz ähnliche Warnung ausgesprochen.
Seine These: Google Updates töten Businesses, und 90% der SEOs sind als nächstes dran. Das mag überspitzt formuliert sein – aber der Kern trifft einen Nerv, den viele von uns spüren. Auch Branchenexperten wie Barry Schwartz dokumentieren diese Entwicklung – sein Jahresrückblick zeigt: 2025 war ein „super volatile year“ mit dutzenden unbestätigten Updates.
Alarmierende Signale aus dem iGaming-Markt
Ich arbeite seit Jahren im iGaming-SEO – Online-Casinos, Sportwetten, Glücksspiel-Affiliate. Das ist einer der härtesten, kompetitivsten SEO-Märkte überhaupt. Hier werden mit Abstand die höchsten CPCs gezahlt, hier kämpfen Profis mit Millionen-Budgets um jeden Platz. Und genau deshalb ist das, was ich dort beobachte, so relevant: Das klassische Affiliate-Sterben hat hier bereits rasant an Fahrt aufgenommen.
Wenn die Big Player fallen
Wir sprechen hier von den etablierten Namen der Branche. Websites, die ganze Experten-Teams beschäftigen. Die tausende Euro monatlich allein für Offpage-SEO ausgeben. Die sechsstellige Affiliate-Einnahmen generieren – oder generierten. Diese Seiten haben professionelle Redaktionen, echte Experten-Inhalte, starke Backlink-Profile, jahrelang aufgebaute Autorität.
Und sie verlieren. Von Google Update zu Google Update. Massiv an Sichtbarkeit.
Die eigentlichen Big Player der iGaming-Affiliate-Szene – Seiten, die diesen Markt jahrelang dominiert haben – bekommen immer weniger Luft zum Atmen.
Wer stattdessen gewinnt
Hier wird es richtig interessant – und gleichzeitig frustrierend. Die begehrten Plätze in den SERPs teilen sich jetzt ganz andere Akteure:
Parasite SEO auf High-Authority-Domains: Subdomains und Verzeichnisse auf Nachrichtenportalen, Universitäten, Magazinen – fragwürdige Taktiken, die ich in meiner Analyse zu Black Hat SEO im Glücksspiel-Bereich ausführlich dokumentiert habe. Domains mit echter Autorität, auf denen Glücksspiel-Content platziert wird. Oft mit echten Personen oder zumindest glaubwürdigen Autoren-Profilen versehen.
Die Anbieter selbst: Die Casinos und Wettanbieter ranken zunehmend direkt – mit ihren eigenen Domains, ihren eigenen Brands. Warum sollte Google einen Affiliate zwischen Nutzer und Anbieter stellen, wenn der Anbieter selbst ranken kann?
Expired Domains und Domain-Trickser: Alte Domains mit bestehender Autorität werden aufgekauft und für iGaming-Content umgewidmet. Das funktioniert – zumindest kurzfristig – erschreckend gut.
Echte Brands mit Gesicht: Seiten, hinter denen erkennbare Personen stehen. Nicht anonyme Affiliate-Portale, sondern Menschen mit Namen, Geschichte, Social-Media-Präsenz.
| Wer verliert | Wer gewinnt |
|---|---|
| Klassische Affiliate-Portale | Die Anbieter selbst (Casinos, Wettanbieter) |
| Anonyme Nischenseiten | Parasites auf High-Authority-Domains |
| SEO-optimierte Content-Fabriken | Echte Brands mit erkennbaren Personen |
| Etablierte Big Player ohne Brand | Expired Domains mit History |
Warum der iGaming-Markt ein Frühwarnsystem ist
Der iGaming-Markt ist aus mehreren Gründen relevant für die gesamte SEO-Branche:
Extremer Wettbewerb: Hier wird mit allen Mitteln gekämpft. Was funktioniert und was nicht, zeigt sich hier schneller und deutlicher als in „normalen“ Nischen.
Höchste Budgets: Wenn Seiten mit fünf- bis sechsstelligen monatlichen SEO-Budgets fallen, dann liegt es nicht an mangelnden Ressourcen. Dann liegt es am System.
YMYL auf Steroiden: Online-Glücksspiel ist ein klassisches Your-Money-Your-Life-Thema. Google sollte hier besonders streng sein. Dass ausgerechnet hier Spam und fragwürdige Taktiken erfolgreich sind, zeigt systemische Probleme.
Die unbequeme Wahrheit
Was meine Beobachtungen aus dem iGaming zeigen: Es gewinnen nicht automatisch die „Besseren“. Es gewinnen echte Brands (egal ob seriös oder nicht), die Anbieter selbst (die keine Affiliates mehr brauchen), die Manipulatoren (die das System verstanden haben) und Seiten mit erkennbaren Menschen dahinter.
Die klassischen Affiliates – selbst die großen, professionellen, mit echten Teams und echtem Budget – gehören zunehmend zu den Verlierern.
Meine These: Was im iGaming passiert, ist ein Vorgeschmack auf das, was anderen Branchen bevorsteht. Die Auswirkungen zeigen sich dort nur schneller und drastischer, weil der Wettbewerbsdruck höher ist.
Das Ende der Affiliate-Seite, wie wir sie kannten
Lass uns das Kind beim Namen nennen: Google mag das Konzept „Affiliate-Seite“ offenbar nicht mehr.
Ich meine damit nicht Affiliate-Marketing generell. Ich meine die klassische Nischenseite, die wir alle kennen: Ein Keyword finden, eine Domain registrieren, Content erstellen, Links aufbauen, Affiliate-Provision kassieren. Dieses Modell funktioniert immer schlechter.
Warum Google Affiliate-Seiten abstraft
Stell dir vor, du bist Google. Dein Ziel ist es, Nutzern die beste Antwort zu geben. Jetzt siehst du tausende Seiten, die alle „Beste Kaffeemaschine 2025“ ranken wollen. Die meisten haben die Produkte nie angefasst. Sie kompilieren Amazon-Rezensionen, fügen ein paar Stock-Fotos hinzu und hoffen auf Provisionen.
Aus Google-Sicht ist das ein Problem. Diese Seiten bieten keinen Mehrwert, den Amazon nicht selbst bieten könnte. Sie existieren nur, um zwischen Nutzer und Händler zu stehen und dabei abzukassieren.
Die Studien bestätigen das. Laut einer Langzeitanalyse von Paul Teitelman haben fast 50% der untersuchten Nischenseiten über 90% ihres Traffics verloren. Bei Reise-Publishern traf es 32% mit Totalverlusten. Das sind keine Ausreißer – das ist ein Muster.
Der Markt trocknet aus
Was bedeutet das konkret? Der Affiliate-SEO-Markt wird schrumpfen. Nicht über Nacht, aber stetig. Die Seiten, die noch funktionieren, werden weniger. Die Margen sinken. Der Aufwand für Qualität, die rankt, steigt.
Das betrifft nicht nur Website-Betreiber. Es betrifft Agenturen, die solche Projekte betreuen. Es betrifft Content-Writer, die für solche Seiten schreiben. Es betrifft Link-Builder, die solche Seiten pushen. Eine ganze Wertschöpfungskette wackelt.
Warum Generalisten-Websites ein Problem bekommen
Aber es trifft nicht nur Affiliate-Seiten. Es trifft eine ganze Kategorie von Websites: Die Generalisten.
Was ich mit Generalisten-Websites meine
Generalisten-Websites sind Projekte, die thematisch breit aufgestellt sind. Sie schreiben heute über Kaffeemaschinen, morgen über Staubsauger, übermorgen über Gartengeräte. Sie haben keine klare Identität, keine erkennbare Expertise in einem Bereich.
Diese Seiten funktionierten jahrelang nach dem Prinzip: Finde Keywords mit gutem Volumen und niedriger Konkurrenz, erstelle „guten genug“ Content und sammle Traffic über die Masse.
Das Modell stirbt gerade.
Warum Google Generalisten abstraft
Google bewertet zunehmend nicht einzelne Seiten, sondern Entitäten. Die Frage ist nicht mehr nur: „Ist dieser einzelne Artikel gut?“ Die Frage ist: „Ist diese Website eine Autorität für dieses Thema?“
Eine Seite, die über alles schreibt, ist Autorität für nichts. Das Hub-and-Spoke-Modell und E-E-A-T belohnen thematische Tiefe. Wer breit und flach aufgestellt ist, kann diese Tiefe nicht demonstrieren.
Dazu kommt: Generalisten-Seiten haben oft keinen erkennbaren Experten dahinter. Wer ist die Person, die all diese verschiedenen Themen beherrscht? Niemand kann Experte für Kaffeemaschinen UND Staubsauger UND Gartengeräte UND Finanztipps sein. Das ist unglaubwürdig – und Google weiß das.
Die Daten sprechen eine klare Sprache
| Website-Typ | Typische HCU-Auswirkung | Zukunftsaussicht |
|---|---|---|
| Klassische Affiliate-Seite | 50-90% Traffic-Verlust | Stark gefährdet |
| Generalisten-Website | 30-70% Traffic-Verlust | Zunehmend schwierig |
| Fokussierte Experten-Seite | Oft stabil oder wachsend | Positive Aussichten |
| Etablierte Marke mit Autorität | Meist stabil | Weiterhin stark |
Die Zukunft gehört den Experten-Seiten
Jetzt zur guten Nachricht. Denn so düster die Situation für manche Seiten aussieht – für echte Experten-Projekte war die Lage nie besser.
Was eine Experten-Website ausmacht
Lass mich definieren, was ich mit „Experten-Seite“ meine:
Thematische Fokussierung: Die Seite behandelt ein klar abgegrenztes Themenfeld und geht dort in die Tiefe. Nicht „alles über Haushaltsgeräte“, sondern „alles über Espressomaschinen“ – oder noch enger.
Erkennbare Expertise: Hinter der Seite steht eine Person oder ein Team mit nachweisbarer Kompetenz. Nicht anonyme Autoren, sondern Menschen mit Gesicht, Geschichte und Credentials.
Echte Erfahrung: Der Content basiert auf tatsächlicher Erfahrung. Produkte wurden wirklich getestet. Prozesse wurden wirklich durchlaufen. Das merkt man dem Content an.
Eigene Perspektive: Die Seite bietet nicht nur kompilierte Informationen, sondern eigene Einschätzungen, Meinungen und Empfehlungen – basierend auf der Expertise.
Warum Experten-Seiten gewinnen
Google entwickelt sich in eine Richtung, die solche Seiten bevorzugt. Das Google Leak hat bestätigt, was viele vermutet haben: Entitäten, Autorität und Vertrauen spielen eine zentrale Rolle. Die Quality Rater Guidelines machen ebenfalls deutlich, worauf Google achtet.
Wenn Google entscheiden muss, ob es eine anonyme Generalisten-Seite oder eine fokussierte Experten-Seite rankt – wer gewinnt? Die Antwort ist offensichtlich.
Dasselbe gilt für AI Overviews und LLM-basierte Suche. Diese Systeme brauchen vertrauenswürdige Quellen, die sie zitieren können. Sie bevorzugen Content von Menschen mit nachweisbarer Expertise. Eine anonyme Generalisten-Seite bietet ihnen nichts, was sie sicher verwenden können. Die Zukunft in Zeiten von AI-Browsern gehört denen, die als Quelle erkennbar und zitierbar sind.
Beispiele für erfolgreiche Experten-Positionierung
Die Seiten, die ich in meinem Umfeld überleben und wachsen sehe, haben alle eines gemeinsam: Sie haben eine klare Antwort auf die Frage „Wofür steht diese Seite?“
Nicht: „Wir schreiben über Technik.“
Sondern: „Wir sind die Espresso-Nerds, die jede Maschine selbst testen.“
Nicht: „Wir machen Reise-Content.“
Sondern: „Wir sind Experten für Wanderreisen in den Alpen.“
Diese Fokussierung macht sie für Google – und für Nutzer – zur offensichtlichen Wahl.
Brandbuilding: Die unterschätzte Überlebensstrategie
Meine Beobachtungen – gerade aus dem iGaming-Bereich – zeigen mir eines ganz deutlich: Brandbuilding ist keine nette Ergänzung mehr. Es ist Überlebensstrategie.
Warum? Schau dir an, wer in den härtesten Märkten überlebt: Echte Brands. Seiten mit erkennbaren Menschen dahinter. Projekte, die nicht nur „SEO-optimiert“ sind, sondern eine echte Identität haben.
Was eine Brand von einer „Seite“ unterscheidet:
Eine Brand hat einen Namen, den Menschen wiedererkennen und suchen. Sie hat ein Gesicht – eine Person oder ein Team, das sichtbar ist. Sie hat eine Geschichte, eine Mission, einen Grund zu existieren jenseits von „wir wollen ranken“. Und sie hat Touchpoints außerhalb von Google: Social Media, Newsletter, Community, vielleicht einen Podcast oder YouTube-Kanal.
Warum Google Brands bevorzugt:
Es ist kein Geheimnis, dass Google etablierte Brands bevorzugt. Das liegt nicht an Unfairness – es liegt an Vertrauen. Eine Brand ist verifizierbar. Sie hat eine Geschichte. Sie hat Erwähnungen im Web. Sie hat Menschen, die für sie stehen. Für Google ist eine Brand ein Qualitätssignal, das schwer zu faken ist.
Im Gegensatz dazu: Eine anonyme Nischenseite kann jeder aufsetzen. Mit AI-Content füllen. Mit gekauften Links pushen. Für Google ist das Risiko höher, solchen Seiten zu vertrauen.
Brandbuilding für SEOs – konkret:
- Zeig dein Gesicht. Autorenseiten mit echten Fotos, echten Bios, echten Social-Profilen.
- Baue Präsenz außerhalb von Google auf: LinkedIn, Twitter/X, Fachforen, Gastbeiträge mit deinem Namen.
- Sorge für Erwähnungen: Interviews geben, auf Konferenzen sprechen, in Podcasts auftreten.
- Entwickle eine erkennbare Perspektive: Wofür stehst du? Was ist deine Meinung? Eine Brand ohne Meinung ist keine Brand.
- Denke langfristig: Brandbuilding ist kein Sprint. Es ist eine Investition, die sich über Jahre auszahlt.
Was das für uns SEOs bedeutet: Allrounder unter Druck
Was für Websites gilt, gilt interessanterweise auch für uns SEOs als Berufsgruppe. Auch hier sehe ich eine Entwicklung, die nicht allen gefallen wird.
Der SEO-Allrounder: Ein Auslaufmodell?
Lange Zeit konnte man als SEO-Allrounder gut leben. Ein bisschen technisches SEO hier, etwas Content-Optimierung da, ein paar Links dort. Man musste kein Spezialist sein – man musste nur die Grundlagen beherrschen und fleißig sein.
Diese Zeiten enden gerade. Der SEO-Arbeitsmarkt zeigt es deutlich: Stellenanzeigen sind 2024 um 37% eingebrochen. Aber nicht gleichmäßig. Senior-Positionen mit klarer Spezialisierung stiegen um 3%. Entry-Level blieb stabil. Die Mitte – die Allrounder – verliert.
Warum passiert das?
Die Gründe sind nachvollziehbar. AI-Tools übernehmen Routine-Aufgaben. ChatGPT kann einen Meta-Title schreiben. Screaming Frog findet technische Fehler automatisch. Die Aufgaben, die früher einen SEO-Allrounder beschäftigt haben, erledigt heute ein Tool in Sekunden.
Was bleibt, sind die schwierigen Entscheidungen. Die Strategie. Die Interpretation von Daten. Das Verständnis für das Zusammenspiel von SEO, AIO, GEO und LLMO. Dafür braucht man keine Allrounder – dafür braucht man Spezialisten.
Die Polarisierung der Branche
Ich sehe eine klare Polarisierung kommen:
Auf der einen Seite: Hochspezialisierte SEO-Experten mit tiefem Wissen in spezifischen Bereichen. Der technische SEO-Spezialist. Der E-Commerce-SEO-Experte. Der Local-SEO-Profi. Diese werden wertvoller und besser bezahlt.
Auf der anderen Seite: Sehr günstige Ressourcen für Routine-Aufgaben, oft unterstützt durch AI. Content-Briefings erstellen, Basis-Audits durchführen, Reports generieren – das wird zur Commodity.
Dazwischen: Der solide Allrounder mit breitem Halbwissen wird es schwer haben. Nicht weil er schlecht ist. Sondern weil seine Kompetenzen entweder automatisiert werden können oder von echten Spezialisten besser geliefert werden.
Die Parallele ist kein Zufall
Siehst du die Parallele? Generalisten-Websites verlieren gegen Experten-Seiten. SEO-Allrounder verlieren gegen Spezialisten. Das Muster ist dasselbe: Breites Halbwissen wird entwertet. Tiefe Expertise wird wertvoller.
| Ebene | Was verliert | Was gewinnt |
|---|---|---|
| Websites | Generalisten-Seiten ohne klare Nische | Experten-Seiten mit thematischer Tiefe |
| SEO-Berufe | Allrounder mit breitem Basiswissen | Spezialisten mit tiefer Expertise |
| Content | „Guter genug“ Content für Keywords | Einzigartiger Content von Experten |
Was du jetzt konkret tun solltest
Für deine Websites:
Prüfe jedes deiner Projekte: Hat es eine klare thematische Fokussierung? Steht erkennbare Expertise dahinter? Oder ist es ein Generalisten-Projekt, das alles ein bisschen macht? Wenn letzteres: Überlege ernsthaft, ob du fokussieren oder auslaufen lassen solltest.
Für dich als SEO:
Wähle eine Spezialisierung. Nicht „ich mache SEO“, sondern „ich bin Experte für technisches SEO für große E-Commerce-Shops“ oder „ich bin spezialisiert auf Content-Strategie für B2B-SaaS“. Die Nische kann sich entwickeln, aber du brauchst einen Startpunkt.
Für beides:
Diversifiziere deine Traffic-Quellen. Wenn mehr als 60% von Google organisch kommt, ist das ein Risiko. Newsletter, YouTube, LinkedIn, Podcast – jeder Kanal, der nicht Google ist, ist eine Versicherung. Und nutze Anmerkungen in der Search Console, um Veränderungen zu dokumentieren und Muster zu erkennen.
| Priorität | Für Websites | Für dich als SEO |
|---|---|---|
| 1 | Klare Nische definieren | Spezialisierung wählen |
| 2 | Erkennbare Experten zeigen | Persönliche Marke aufbauen |
| 3 | Brandbuilding starten: Name, Gesicht, Story | Sichtbarkeit außerhalb von Kundenprojekten |
| 4 | Thematische Tiefe statt Breite | In einem Bereich tief gehen |
| 5 | Traffic diversifizieren | Mehrere Einkommensquellen |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist SEO tot?
Nein. SEO verändert sich, aber es stirbt nicht. Menschen werden weiterhin suchen – bei Google, bei ChatGPT, bei YouTube. Solange gesucht wird, gibt es Optimierungspotenzial. Was stirbt, sind bestimmte Arten von Websites und bestimmte Arten, SEO zu betreiben: die anonymen Generalisten-Projekte, das breite Halbwissen. Was wächst, sind fokussierte Experten-Seiten und spezialisiertes SEO-Know-how.
Kann ich mit einer Generalisten-Website noch erfolgreich sein?
Zunehmend schwierig. Wenn deine Website über alles und nichts schreibt, konkurrierst du mit Seiten, die sich auf einzelne dieser Themen spezialisiert haben – und diese werden von Google bevorzugt. Die Empfehlung: Fokussieren. Wähle das Thema, bei dem du die meiste Expertise hast, und gehe dort in die Tiefe. Lass den Rest auslaufen oder lagere ihn aus.
Muss ich mich als SEO wirklich spezialisieren?
Du musst nicht – aber es wird dir helfen. SEO-Allrounder werden weiterhin gebraucht, besonders in kleineren Unternehmen, die einen „Full-Service-SEO“ suchen. Aber der Wettbewerb wird härter, die Margen sinken. Spezialisierung ist der Weg zu besserer Bezahlung und stabilerer Nachfrage. Die Frage ist nicht ob, sondern worauf.
Was bedeuten die iGaming-Beobachtungen für andere Branchen?
Der iGaming-Markt ist ein Stresstest für Google’s Algorithmus. Wenn dort trotz höchster Budgets und professionellster Arbeit Qualitätsseiten verlieren, während Spam-Taktiken und echte Brands gewinnen, zeigt das systemische Muster. Diese Muster werden sich früher oder später auch in anderen Branchen bemerkbar machen – nur eben zeitverzögert und weniger drastisch.
Wie wichtig ist Brandbuilding wirklich?
Aus meiner Sicht: entscheidend. Meine Beobachtungen zeigen, dass echte Brands selbst in den härtesten Märkten überleben – während selbst große, gut optimierte Seiten ohne Brand-Identität fallen. Eine Brand schützt dich nicht vor jedem Update. Aber sie macht dich resilienter, weil sie schwer zu faken ist. Google kann eine gute SEO-Seite von einer echten Brand unterscheiden – und bevorzugt letztere.
Was mache ich, wenn meine Seite vom HCU betroffen ist?
Ehrliche Antwort: Vollständige Recoveries sind selten. Prüfe zuerst: Ist deine Seite eine Generalisten-Seite ohne klare Fokussierung? Fehlt erkennbare Expertise? Wenn ja, ist das wahrscheinlich der Grund. Überlege ernsthaft, ob ein Neustart mit klarer Positionierung nicht sinnvoller ist als endloses Optimieren am bestehenden Projekt.
Fazit: Die Bereinigung hat begonnen
Was wir gerade erleben, ist eine Bereinigung. Auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Bei den Websites: Affiliate-Seiten und Generalisten-Projekte sterben aus. Was bleibt, sind Experten-Seiten mit klarer Fokussierung, echtem Fachwissen, erkennbaren Menschen dahinter – und einer echten Brand.
Bei den SEOs: Allrounder mit breitem Basiswissen werden durch AI und Spezialisten ersetzt. Was bleibt, sind entweder sehr günstige Commodity-Dienstleistungen oder hochwertige Spezialistenarbeit mit echtem Profil.
Im Markt: Meine Beobachtungen aus dem iGaming-Bereich – einem der härtesten SEO-Märkte überhaupt – zeigen, dass selbst Millionen-Budgets und Experten-Teams keine Garantie mehr sind. Die Gewinner sind echte Brands, die Anbieter selbst, und die, die das System zu manipulieren verstehen. Die klassischen Affiliates, selbst die Big Player, verlieren.
Die Konsequenz ist klar: Brandbuilding ist keine Option mehr – es ist Überlebensstrategie. In einer Welt, in der Google zwischen echten Experten und gut optimierten Seiten unterscheiden will, ist eine echte Brand dein stärkstes Asset.
Charles Floate und andere warnen, dass 90% der SEOs als nächstes dran sind. Ich glaube, die Zahl ist übertrieben – aber die Richtung stimmt. Viele werden sich anpassen müssen. Manche werden scheitern. Aber die, die verstehen, wohin die Reise geht, haben bessere Chancen als je zuvor.
Stell dir vor, du blickst in zwei Jahren zurück auf diesen Moment. Die Weichen werden jetzt gestellt. Die Frage ist nicht, ob die Veränderung kommt. Die Frage ist, ob du auf der richtigen Seite stehen wirst.


